20 Jahre Bondage-Music – Das Gefühl, das die Musik transportiert
Das Leipziger Label feiert sein Jubiläum – unter anderen mit einer opulenten Vinylbox. Dort vertreten sind die 20 engsten Weggefährt*innen des Hauses mit frischen Tracks, verteilt auf fünf Platten, jede in einer individuell gestalteten Hülle eingepackt und das alles in einer aufwändig lackierten Box. Für die Gestaltung zuständig ist Peter B.

Das Leipziger Label feiert sein Jubiläum – unter anderen mit einer opulenten Vinylbox. Dort vertreten sind die 20 engsten Weggefährt*innen des Hauses mit frischen Tracks, verteilt auf fünf Platten, jede in einer individuell gestalteten Hülle eingepackt und das alles in einer aufwändig lackierten Box. Für die Gestaltung zuständig ist Peter B. der seit vielen Jahren das Erscheinungsbild des Labels unverwechselbar prägt. Für die Track-Auswahl zuständig sind Sven C. und Sven G. alias Pornbugs, die natürlich ebenfalls auf der Compilation vertreten sind. Und mit den dreien haben wir uns auch über das Jubiläum unterhalten – mit Rückblick und Ausblick! Beweggründe und Anfänge Glückwunsch zum 20. Geburtstag! Was waren damals eure Beweggründe, das Label zu gründen und wie kam es zu dem Namen? Und was wolltet ihr anders machen als andere? Sven: Vielen Dank! Die Idee hinter Bondage-Music war damals eigentlich ganz einfach, wir wollten uns selbst und befreundeten jungen Artists und Produzenten eine Plattform geben, um unsere eigene Musik zu veröffentlichen. Zu der Zeit war es nicht selbstverständlich, einfach einen Release herauszubringen, und wir hatten das Bedürfnis, unsere musikalischen Vorstellungen unabhängig umzusetzen. Der Name Bondage-Music entstand aus dem Gedanken heraus, Musik zu veröffentlichen, die die Menschen auf dem Dancefloor fesselt und bindet, Tracks, die eine besondere Energie entwickeln und die Leute nicht mehr loslassen. Ob wir damals etwas grundsätzlich anders machen wollten als andere Labels? Ehrlich gesagt nicht. Dafür fehlte uns zu Beginn auch die Erfahrung. Wir wussten noch gar nicht genau, was alles zur Labelarbeit dazugehört und wie man Dinge vermeintlich „besser“ macht. Uns ging es vor allem um die Musik und die Leidenschaft dafür. Dass wir heute tatsächlich das 20-jährige Bestehen von Bondage-Music feiern, überrascht uns selbst ein wenig. Als wir angefangen haben, hätten wir nie gedacht, dass daraus einmal zwei Jahrzehnte werden. Am Ende war es immer die Leidenschaft für Musik und die Freude an dem, was wir tun. Und genau deshalb macht uns das Ganze auch nach 20 Jahren noch genauso viel Spaß. Der typische Bondage-Sound Was würdet ihr sagen, was macht den typischen Bondage-Sound aus? Sven: Der typische Bondage-Sound war für uns immer in erster Linie Musik für den Club. Dabei haben wir uns nie auf einen ganz bestimmten Stil festgelegt. Die Releases bewegen sich irgendwo zwischen House, Deep House, Dub und Minimal, aber entscheidend war für uns nie das Genre, sondern das Gefühl, das die Musik transportiert. Was sich wie ein roter Faden durch die letzten 20 Jahre zieht, ist dieser warme Groove und eine gewisse Seele in der Musik. Wir mochten schon immer Tracks, die tief gehen, eine Atmosphäre schaffen und auf dem Dancefloor funktionieren, ohne dabei nur auf den schnellen Effekt aus zu sein. Es geht um musikalische Tiefe, Emotion und Groove und genau diese Mischung macht für uns den typischen Bondage-Sound aus. Künstlerauswahl und Kriterien Wie sucht ihr die Künstler und Künstlerinnen für Bondage aus? Was für Kriterien gibt es da? Sven: Bondage-Music war für uns immer von langfristigen Beziehungen geprägt. Über die Jahre hat sich ein fester Kern von Künstlern entwickelt, mit denen wir teilweise schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten. Dazu gehören unter anderem Mihai Popoviciu, NTFO, Frink, Dilby, Sascha Dive oder Markus Homm. Diese Kontinuität und das gegenseitige Vertrauen sind ein wichtiger Teil der Identität unseres Labels. Gleichzeitig sind wir immer offen für neue Talente. Gerade heute gibt es unglaublich viele starke junge Produzenten. Das wichtigste Kriterium ist für uns deshalb ganz klar die Musik. Wenn uns ein Track emotional anspricht und wir ihn im Kontext von Bondage-Music sehen, dann ist das der erste Schritt. Sven: Oft beginnt eine Zusammenarbeit mit einem Beitrag zu unserer digitalen Compilation-Reihe „Deep Value“. So lernen wir die Künstler besser kennen und bekommen ein Gefühl dafür, ob es auch menschlich und musikalisch passt. Wenn die Verbindung stimmt, entwickelt sich daraus nicht selten eine eigene EP oder sogar eine langfristige Zusammenarbeit. Auf diesem Weg sind beispielsweise Künstler wie Lito (AR), Steve Kelley, Alexander Matchak oder Ross Kiser Teil der Bondage-Familie geworden. Zuletzt haben wir Alejo Ruiz entdeckt, dessen Deep-House-Sound uns sofort begeistert hat. Wir freuen uns sehr, ihm mit einer digitalen Veröffentlichung im Sommer eine Plattform auf Bondage-Music zu geben. Am Ende zählen für uns aber nicht Trends oder Namen, sondern guter Sound, Leidenschaft und eine gemeinsame musikalische Vision. Treue zum Vinyl Als ihr vor 20 Jahren angefangen habt, da war der Vinylmarkt ein anderer als heutzutage. Dennoch seid ihr Vinyl treu geblieben, obgleich ihr ja auch reine digitale VÖs habt. War das nie ein Thema, auf Vinyl zu verzichten und wie schwer war’s zwischendurch – oder ist es jetzt? Sven: Nein, auf Vinyl zu verzichten, war für uns tatsächlich nie ein Thema. Vinyl war von Anfang an ein wichtiger Bestandteil von Bondage-Music und ist es bis heute geblieben. Natürlich haben wir uns mit der Zeit auch für digitale Veröffentlichungen geöffnet, aber die Schallplatte hatte für uns immer einen besonderen Stellenwert. Klar gab es in den vergangenen 20 Jahren Phasen, in denen die Vinyl-Verkäufe deutlich zurückgegangen sind und viele Labels ihre Aktivitäten in diesem Bereich reduziert oder sogar ganz eingestellt haben. Trotzdem stand für uns nie zur Diskussion, damit aufzuhören. Dafür ist unsere Verbindung zu diesem Format einfach zu groß, sowohl als Labelmacher als auch als DJs und Musikliebhaber. Umso dankbarer sind wir heute, dass wir über die Jahre eine sehr treue Fangemeinde aufbauen konnten, die unsere Vinyl-Releases kontinuierlich unterstützt. Dadurch erzielen wir nach wie vor konstant gute Verkaufszahlen und können weiterhin regelmäßig auf Vinyl veröffentlichen. Das ist heutzutage alles andere als selbstverständlich und wir wissen diese Unterstützung wirklich sehr zu schätzen. Unabhängig vom Vinyl, gab es Momente, wo ihr vielleicht mal ans Aufhören gedacht habt? Sven: Nein, eigentlich nie. Natürlich gab es in 20 Jahren immer wieder Herausforderungen und Phasen, die nicht einfach waren. Aber ans Aufhören haben wir nie ernsthaft gedacht. Dafür war und ist die Leidenschaft für die Musik einfach zu groß. Solange uns das Ganze Freude macht und wir spannende Musik veröffentlichen können, gibt es für uns keinen Grund, damit aufzuhören. Verankerung in Leipzig Ihr seid in Leipzig verankert, wie seht ihr die Entwicklung der Stadt in den letzten 20 Jahren? Sven: Ich würde sagen, dass Bondage-Music sowohl in Leipzig als auch in Berlin verankert ist. Leipzig spielt dabei aber natürlich eine besondere Rolle. Die Stadt hat sich in den letzten 20 Jahren unglaublich positiv entwickelt und ist nicht nur eine lebenswerte und kreative Stadt geworden, sondern hat sich auch als wichtiger Standort für elektronische Musik etabliert. Leipzig hatte schon immer eine starke und sehr authentische Szene. Künstler wie Mathias Tanzmann, Labels wie Moon Harbour und Clubs wie die Distillery haben dazu beigetragen, dass die Stadt weit über ihre Grenzen hinaus wahrgenommen wird. Gleichzeitig gibt es hier bis heute eine enge Vernetzung und einen besonderen Zusammenhalt innerhalb der Szene. Für uns war und ist Leipzig deshalb ein wichtiger Teil unserer Geschichte. Die Stadt und ihre Szene haben die Entwicklung von Bondage-Music auf jeden Fall mitgeprägt. Die Jubiläumsbox Erzählt uns was zur Jubiläumsbox, wie ist die Idee dazu entstanden? Sven: Uns war von Anfang an klar, dass wir zum 20-jährigen Jubiläum etwas Besonderes machen wollen. Ebenso klar war, dass es ein reines Vinyl-Projekt werden sollte, auch als Dankeschön an unsere treuen Vinyl-Fans, die uns über all die Jahre begleitet und unterstützt haben. Einige Acts waren für uns sofort gesetzt, darunter Mihai Popoviciu, Sascha Dive, Markus Homm, Tuccillo und NTFO. Ursprünglich dachten wir an drei Vinyls, aber je weiter das Projekt gewachsen ist, desto mehr großartige Tracks kamen dazu. Am Ende standen wir bei 20 Tracks, was natürlich perfekt zu 20 Jahren Bondage-Music passt. So entstand schließlich eine Box mit fünf Vinyls. Zusätzlich enthält die Box ein exklusives Artwork-Poster, eine spezielle Bag und einen Sticker. Die gesamte Edition ist auf 400 Exemplare limitiert und jedes Exemplar wurde von Hand nummeriert. Damit ist die Box nicht nur ein Jubiläumsrelease, sondern auch ein besonderes Sammlerstück für unsere Unterstützer. Das Artwork Pete, wie kam es zu dem sehr markanten Artwork? Pete: Bevor ich bei Bondage-Music einstieg, orientierte sich die visuelle Gestaltung noch stärker an der wörtlichen Interpretation des Labelnamens. Die eigentliche Idee dahinter war aber schon immer dieselbe: Menschen durch Musik zu fesseln und in ihren Bann zu ziehen. 2011 habe ich dann das Design-Ruder übernommen. Nach einer kurzen experimentellen Phase mit geometrischen Formen entstand 2012 der Stil, der bis heute die visuelle DNA von Bondage-Music prägt. Ich bin seit meiner Kindheit ein großer Fan von Biomechanik und habe in diesem Stil unzählige Zeichnungen angefertigt. Irgendwann lag es nahe, diese Leidenschaft auch in das Artwork des Labels einfließen zu lassen. So habe ich Bondage-Music gewissermaßen meinen persönlichen Signature-Look verpasst. Im Mittelpunkt stehen dabei meist Tiere. Sie verkörpern für mich Freiheit, Instinkt, Kraft und Vielfalt – Eigenschaften, die sich auch in unserer Musik und unserer Kreativität widerspiegeln. Über die Jahre ist daraus ein visueller Stil entstanden, der Bondage-Music heute genauso unverwechselbar macht wie der Sound des Labels. Weitere Aktivitäten und Ausblick Wird es zum 20. Geburtstag noch andere Aktivitäten neben der Box geben? Und wo siehst du Bondage in 20 Jahren? Sven: Ja, neben der Jubiläumsbox wird es natürlich auch einige besondere Events geben. Geplant sind exklusive Bondage-Music-Showcases und Labelpartys in verschiedenen Städten, unter anderem in Prag, Zürich, auf Ibiza, beim Amsterdam Dance Event sowie in Südamerika und Kanada. Wir freuen uns sehr darauf, das Jubiläum nicht nur mit unseren Artists, sondern auch mit den Menschen zu feiern, die uns über all die Jahre begleitet haben. Wo wir Bondage-Music in 20 Jahren sehen? Das ist natürlich schwer vorherzusagen. Wenn uns vor 20 Jahren jemand gesagt hätte, dass wir heute unser 20-jähriges Jubiläum feiern, hätten wir das wahrscheinlich selbst nicht geglaubt. Deshalb hoffen wir einfach, dass wir auch in 20 Jahren noch mit derselben Leidenschaft Musik veröffentlichen und die Szene mitgestalten können. Und wer weiß, vielleicht sitzen wir dann tatsächlich wieder zusammen und geben euch das Interview zum 40. Geburtstag von Bondage-Music. Was für Releases stehen denn in diesem Jahr noch an, könnt ihr uns da einen kleinen Ausblick geben? Sven: Da kommt tatsächlich noch einiges auf uns zu. Neben mehreren digitalen Veröffentlichungen von Künstlern wie Pornbugs & Frink, Alejo Ruiz, Alexander Matchak und PTTY stehen auch noch einige besondere Vinyl-Releases auf dem Plan. Besonders freuen wir uns auf neue EPs von Markus Homm und Mihai Popoviciu, die beide seit vielen Jahren eng mit Bondage-Music verbunden sind und den Sound des Labels maßgeblich mitgeprägt haben. Insgesamt wird die zweite Jahreshälfte also weiterhin sehr abwechslungsreich, mit einer Mischung aus etablierten Bondage-Artists und spannenden neuen Talenten. Langweilig wird uns definitiv nicht werden. Und was steht in diesem Jahr noch bei den Pornbugs an? Ihr habt bisher noch kein Album veröffentlicht. Ist das gar kein Thema für euch oder hat es bisher einfach nicht geklappt? Sven: Als hättet ihr es geahnt, genau das ist tatsächlich eines unserer großen Projekte zum Abschluss des Jubiläumsjahres. Wir arbeiten aktuell an unserem ersten Pornbugs-Album und hoffen, dass wir es in diesem Jahr noch fertigstellen können. Ein Album war schon immer ein Wunsch von uns, aber bisher haben wir uns vor allem auf EPs und einzelne Releases konzentriert. Für ein Album braucht man einfach ein anderes Konzept und deutlich mehr Zeit, deshalb hat es sich bislang nicht ergeben. Wenn alles nach Plan läuft, soll das Album als Doppelvinyl erscheinen. Ob wir uns damit vielleicht ein bisschen viel vorgenommen haben, werden wir noch sehen. Aber gerade zum 20-jährigen Jubiläum fühlt es sich nach dem richtigen Zeitpunkt an, diesen lang gehegten Wunsch endlich anzugehen. 😉 Sven: Zum Schluss möchten wir einfach Danke sagen. Danke an alle Künstler*innen, die uns über die Jahre ihr Vertrauen geschenkt haben, an unsere Partner*innen, Freund*innen und Wegbegleiter*innen sowie natürlich an alle Fans und DJs, die unsere Musik spielen, kaufen und unterstützen. Ein besonderer Dank geht auch an Pete, der mit seinem unverwechselbaren Artwork den visuellen Charakter von Bondage-Music seit vielen Jahren prägt, sowie an alle, die hinter den Kulissen dazu beigetragen haben, dass aus einer Idee unter Freunden ein Label mit 20-jähriger Geschichte werden konnte. Und natürlich auch vielen Dank an dich für das Interview und die Gelegenheit, ein wenig auf die vergangenen 20 Jahre Bondage-Music zurückzublicken. Es hat Spaß gemacht, sich an die Anfänge zu erinnern und die vielen besonderen Momente noch einmal Revue passieren zu lassen. Wir freuen uns auf alles, was noch kommt – und wer weiß, vielleicht sprechen wir uns ja tatsächlich in 20 Jahren wieder zum 40. Geburtstag von Bondage-Music. :::embed Spotify Embed: BONDAGE-MUSIC https://open.spotify.com/embed/playlist/5bBVRFeCY0QLOjIEqaZMMZ?utm_source=oembed
::: Aus dem FAZEmag 173/07.2026 Text & Interview: Tassilo Dicke Fotos: Heike Bäcke www.bondage-music.com Beweggründe und Name Glückwunsch zum 20. Geburtstag! Was waren damals eure Beweggründe, das Label zu gründen und wie kam es zu dem Namen? Und was wolltet ihr anders machen als andere? Sven: Vielen Dank! Die Idee hinter Bondage-Music war damals eigentlich ganz einfach, wir wollten uns selbst und befreundeten jungen Artists und Produzenten eine Plattform geben, um unsere eigene Musik zu veröffentlichen. Zu der Zeit war es nicht selbstverständlich, einfach einen Release herauszubringen, und wir hatten das Bedürfnis, unsere musikalischen Vorstellungen unabhängig umzusetzen. Der Name Bondage-Music entstand aus dem Gedanken heraus, Musik zu veröffentlichen, die die Menschen auf dem Dancefloor fesselt und bindet, Tracks, die eine besondere Energie entwickeln und die Leute nicht mehr loslassen. Ob wir damals etwas grundsätzlich anders machen wollten als andere Labels? Ehrlich gesagt nicht. Dafür fehlte uns zu Beginn auch die Erfahrung. Wir wussten noch gar nicht genau, was alles zur Labelarbeit dazugehört und wie man Dinge vermeintlich „besser“ macht. Uns ging es vor allem um die Musik und die Leidenschaft dafür. Dass wir heute tatsächlich das 20-jährige Bestehen von Bondage-Music feiern, überrascht uns selbst ein wenig. Als wir angefangen haben, hätten wir nie gedacht, dass daraus einmal zwei Jahrzehnte werden. Am Ende war es immer die Leidenschaft für Musik und die Freude an dem, was wir tun. Und genau deshalb macht uns das Ganze auch nach 20 Jahren noch genauso viel Spaß. Typischer Bondage-Sound Was würdet ihr sagen, was macht den typischen Bondage-Sound aus? Sven: Der typische Bondage-Sound war für uns immer in erster Linie Musik für den Club. Dabei haben wir uns nie auf einen ganz bestimmten Stil festgelegt. Die Releases bewegen sich irgendwo zwischen House, Deep House, Dub und Minimal, aber entscheidend war für uns nie das Genre, sondern das Gefühl, das die Musik transportiert. Was sich wie ein roter Faden durch die letzten 20 Jahre zieht, ist dieser warme Groove und eine gewisse Seele in der Musik. Wir mochten schon immer Tracks, die tief gehen, eine Atmosphäre schaffen und auf dem Dancefloor funktionieren, ohne dabei nur auf den schnellen Effekt aus zu sein. Es geht um musikalische Tiefe, Emotion und Groove und genau diese Mischung macht für uns den typischen Bondage-Sound aus. Kriterien für Künstler Wie sucht ihr die Künstler und Künstlerinnen für Bondage aus? Was für Kriterien gibt es da? Sven: Bondage-Music war für uns immer von langfristigen Beziehungen geprägt. Über die Jahre hat sich ein fester Kern von Künstlern entwickelt, mit denen wir teilweise schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten. Dazu gehören unter anderem Mihai Popoviciu, NTFO, Frink, Dilby, Sascha Dive oder Markus Homm. Diese Kontinuität und das gegenseitige Vertrauen sind ein wichtiger Teil der Identität unseres Labels. Gleichzeitig sind wir immer offen für neue Talente. Gerade heute gibt es unglaublich viele starke junge Produzenten. Das wichtigste Kriterium ist für uns deshalb ganz klar die Musik. Wenn uns ein Track emotional anspricht und wir ihn im Kontext von Bondage-Music sehen, dann ist das der erste Schritt. Sven: Oft beginnt eine Zusammenarbeit mit einem Beitrag zu unserer digitalen Compilation-Reihe „Deep Value“. So lernen wir die Künstler besser kennen und bekommen ein Gefühl dafür, ob es auch menschlich und musikalisch passt. Wenn die Verbindung stimmt, entwickelt sich daraus nicht selten eine eigene EP oder sogar eine langfristige Zusammenarbeit. Auf diesem Weg sind beispielsweise Künstler wie Lito (AR), Steve Kelley, Alexander Matchak oder Ross Kiser Teil der Bondage-Familie geworden. Zuletzt haben wir Alejo Ruiz entdeckt, dessen Deep-House-Sound uns sofort begeistert hat. Wir freuen uns sehr, ihm mit einer digitalen Veröffentlichung im Sommer eine Plattform auf Bondage-Music zu geben. Am Ende zählen für uns aber nicht Trends oder Namen, sondern guter Sound, Leidenschaft und eine gemeinsame musikalische Vision. Treue zu Vinyl Als ihr vor 20 Jahren angefangen habt, da war der Vinylmarkt ein anderer als heutzutage. Dennoch seid ihr Vinyl treu geblieben, obgleich ihr ja auch reine digitale VÖs habt. War das nie ein Thema, auf Vinyl zu verzichten und wie schwer war’s zwischendurch – oder ist es jetzt? Sven: Nein, auf Vinyl zu verzichten, war für uns tatsächlich nie ein Thema. Vinyl war von Anfang an ein wichtiger Bestandteil von Bondage-Music und ist es bis heute geblieben. Natürlich haben wir uns mit der Zeit auch für digitale Veröffentlichungen geöffnet, aber die Schallplatte hatte für uns immer einen besonderen Stellenwert. Klar gab es in den vergangenen 20 Jahren Phasen, in denen die Vinyl-Verkäufe deutlich zurückgegangen sind und viele Labels ihre Aktivitäten in diesem Bereich reduziert oder sogar ganz eingestellt haben. Trotzdem stand für uns nie zur Diskussion, damit aufzuhören. Dafür ist unsere Verbindung zu diesem Format einfach zu groß, sowohl als Labelmacher als auch als DJs und Musikliebhaber. Umso dankbarer sind wir heute, dass wir über die Jahre eine sehr treue Fangemeinde aufbauen konnten, die unsere Vinyl-Releases kontinuierlich unterstützt. Dadurch erzielen wir nach wie vor konstant gute Verkaufszahlen und können weiterhin regelmäßig auf Vinyl veröffentlichen. Das ist heutzutage alles andere als selbstverständlich und wir wissen diese Unterstützung wirklich sehr zu schätzen. Gedanke ans Aufhören Unabhängig vom Vinyl, gab es Momente, wo ihr vielleicht mal ans Aufhören gedacht habt? Sven: Nein, eigentlich nie. Natürlich gab es in 20 Jahren immer wieder Herausforderungen und Phasen, die nicht einfach waren. Aber ans Aufhören haben wir nie ernsthaft gedacht. Dafür war und ist die Leidenschaft für die Musik einfach zu groß. Solange uns das Ganze Freude macht und wir spannende Musik veröffentlichen können, gibt es für uns keinen Grund, damit aufzuhören. Entwicklung in Leipzig Ihr seid in Leipzig verankert, wie seht ihr die Entwicklung der Stadt in den letzten 20 Jahren? Sven: Ich würde sagen, dass Bondage-Music sowohl in Leipzig als auch in Berlin verankert ist. Leipzig spielt dabei aber natürlich eine besondere Rolle. Die Stadt hat sich in den letzten 20 Jahren unglaublich positiv entwickelt und ist nicht nur eine lebenswerte und kreative Stadt geworden, sondern hat sich auch als wichtiger Standort für elektronische Musik etabliert. Leipzig hatte schon immer eine starke und sehr authentische Szene. Künstler wie Mathias Tanzmann, Labels wie Moon Harbour und Clubs wie die Distillery haben dazu beigetragen, dass die Stadt weit über ihre Grenzen hinaus wahrgenommen wird. Gleichzeitig gibt es hier bis heute eine enge Vernetzung und einen besonderen Zusammenhalt innerhalb der Szene. Für uns war und ist Leipzig deshalb ein wichtiger Teil unserer Geschichte. Die Stadt und ihre Szene haben die Entwicklung von Bondage-Music auf jeden Fall mitgeprägt. Die Jubiläumsbox Erzählt uns was zur Jubiläumsbox, wie ist die Idee dazu entstanden? Sven: Uns war von Anfang an klar, dass wir zum 20-jährigen Jubiläum etwas Besonderes machen wollen. Ebenso klar war, dass es ein reines Vinyl-Projekt werden sollte, auch als Dankeschön an unsere treuen Vinyl-Fans, die uns über all die Jahre begleitet und unterstützt haben. Einige Acts waren für uns sofort gesetzt, darunter Mihai Popoviciu, Sascha Dive, Markus Homm, Tuccillo und NTFO. Ursprünglich dachten wir an drei Vinyls, aber je weiter das Projekt gewachsen ist, desto mehr großartige Tracks kamen dazu. Am Ende standen wir bei 20 Tracks, was natürlich perfekt zu 20 Jahren Bondage-Music passt. So entstand schließlich eine Box mit fünf Vinyls. Zusätzlich enthält die Box ein exklusives Artwork-Poster, eine spezielle Bag und einen Sticker. Die gesamte Edition ist auf 400 Exemplare limitiert und jedes Exemplar wurde von Hand nummeriert. Damit ist die Box nicht nur ein Jubiläumsrelease, sondern auch ein besonderes Sammlerstück für unsere Unterstützer. Das markante Artwork Pete, wie kam es zu dem sehr markanten Artwork? Pete: Bevor ich bei Bondage-Music einstieg, orientierte sich die visuelle Gestaltung noch stärker an der wörtlichen Interpretation des Labelnamens. Die eigentliche Idee dahinter war aber schon immer dieselbe: Menschen durch Musik zu fesseln und in ihren Bann zu ziehen. 2011 habe ich dann das Design-Ruder übernommen. Nach einer kurzen experimentellen Phase mit geometrischen Formen entstand 2012 der Stil, der bis heute die visuelle DNA von Bondage-Music prägt. Ich bin seit meiner Kindheit ein großer Fan von Biomechanik und habe in diesem Stil unzählige Zeichnungen angefertigt. Irgendwann lag es nahe, diese Leidenschaft auch in das Artwork des Labels einfließen zu lassen. So habe ich Bondage-Music gewissermaßen meinen persönlichen Signature-Look verpasst. Im Mittelpunkt stehen dabei meist Tiere. Sie verkörpern für mich Freiheit, Instinkt, Kraft und Vielfalt – Eigenschaften, die sich auch in unserer Musik und unserer Kreativität widerspiegeln. Über die Jahre ist daraus ein visueller Stil entstanden, der Bondage-Music heute genauso unverwechselbar macht wie der Sound des Labels. Aktivitäten zum 20. Geburtstag Wird es zum 20. Geburtstag noch andere Aktivitäten neben der Box geben? Und wo siehst du Bondage in 20 Jahren? Sven: Ja, neben der Jubiläumsbox wird es natürlich auch einige besondere Events geben. Geplant sind exklusive Bondage-Music-Showcases und Labelpartys in verschiedenen Städten, unter anderem in Prag, Zürich, auf Ibiza, beim Amsterdam Dance Event sowie in Südamerika und Kanada. Wir freuen uns sehr darauf, das Jubiläum nicht nur mit unseren Artists, sondern auch mit den Menschen zu feiern, die uns über all die Jahre begleitet haben. Wo wir Bondage-Music in 20 Jahren sehen? Das ist natürlich schwer vorherzusagen. Wenn uns vor 20 Jahren jemand gesagt hätte, dass wir heute unser 20-jähriges Jubiläum feiern, hätten wir das wahrscheinlich selbst nicht geglaubt. Deshalb hoffen wir einfach, dass wir auch in 20 Jahren noch mit derselben Leidenschaft Musik veröffentlichen und die Szene mitgestalten können. Und wer weiß, vielleicht sitzen wir dann tatsächlich wieder zusammen und geben euch das Interview zum 40. Geburtstag von Bondage-Music. Anstehende Releases Was für Releases stehen denn in diesem Jahr noch an, könnt ihr uns da einen kleinen Ausblick geben? Sven: Da kommt tatsächlich noch einiges auf uns zu. Neben mehreren digitalen Veröffentlichungen von Künstlern wie Pornbugs & Frink, Alejo Ruiz, Alexander Matchak und PTTY stehen auch noch einige besondere Vinyl-Releases auf dem Plan. Besonders freuen wir uns auf neue EPs von Markus Homm und Mihai Popoviciu, die beide seit vielen Jahren eng mit Bondage-Music verbunden sind und den Sound des Labels maßgeblich mitgeprägt haben. Insgesamt wird die zweite Jahreshälfte also weiterhin sehr abwechslungsreich, mit einer Mischung aus etablierten Bondage-Artists und spannenden neuen Talenten. Langweilig wird uns definitiv nicht werden. Erstes Pornbugs-Album Und was steht in diesem Jahr noch bei den Pornbugs an? Ihr habt bisher noch kein Album veröffentlicht. Ist das gar kein Thema für euch oder hat es bisher einfach nicht geklappt? Sven: Als hättet ihr es geahnt, genau das ist tatsächlich eines unserer großen Projekte zum Abschluss des Jubiläumsjahres. Wir arbeiten aktuell an unserem ersten Pornbugs-Album und hoffen, dass wir es in diesem Jahr noch fertigstellen können. Ein Album war schon immer ein Wunsch von uns, aber bisher haben wir uns vor allem auf EPs und einzelne Releases konzentriert. Für ein Album braucht man einfach ein anderes Konzept und deutlich mehr Zeit, deshalb hat es sich bislang nicht ergeben. Wenn alles nach Plan läuft, soll das Album als Doppelvinyl erscheinen. Ob wir uns damit vielleicht ein bisschen viel vorgenommen haben, werden wir noch sehen. Aber gerade zum 20-jährigen Jubiläum fühlt es sich nach dem richtigen Zeitpunkt an, diesen lang gehegten Wunsch endlich anzugehen. 😉 Sven: Zum Schluss möchten wir einfach Danke sagen. Danke an alle Künstler*innen, die uns über die Jahre ihr Vertrauen geschenkt haben, an unsere Partner*innen, Freund*innen und Wegbegleiter*innen sowie natürlich an alle Fans und DJs, die unsere Musik spielen, kaufen und unterstützen. Ein besonderer Dank geht auch an Pete, der mit seinem unverwechselbaren Artwork den visuellen Charakter von Bondage-Music seit vielen Jahren prägt, sowie an alle, die hinter den Kulissen dazu beigetragen haben, dass aus einer Idee unter Freunden ein Label mit 20-jähriger Geschichte werden konnte. Und natürlich auch vielen Dank an dich für das Interview und die Gelegenheit, ein wenig auf die vergangenen 20 Jahre Bondage-Music zurückzublicken. Es hat Spaß gemacht, sich an die Anfänge zu erinnern und die vielen besonderen Momente noch einmal Revue passieren zu lassen. Wir freuen uns auf alles, was noch kommt – und wer weiß, vielleicht sprechen wir uns ja tatsächlich in 20 Jahren wieder zum 40. Geburtstag von Bondage-Music. :::embed Spotify Embed: BONDAGE-MUSIC https://open.spotify.com/embed/playlist/5bBVRFeCY0QLOjIEqaZMMZ?utm_source=oembed ::: Aus dem FAZEmag 173/07.2026 Text & Interview: Tassilo Dicke Fotos: Heike Bäcke www.bondage-music.com/
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