Artist Interview: Tommahawk
Tomma aka Tommahawk verbreitet Energie. Ihr Sound hat Druck, Kante und diesen klaren Schub nach vorn, bleibt dabei aber immer nah an dem Moment, in dem ein Floor wirklich aufmacht: Alltag off, Bewegung on, Verbindung im Augenblick. Geboren in Ostfriesland, musikalisch und mit ihrem Lebensmittelpunkt längst in Hamburg verankert, bringt sie die Perspektive der Club- …

Artist Insights & Interviews Tomma aka Tommahawk verbreitet Energie. Ihr Sound hat Druck, Kante und diesen klaren Schub nach vorn, bleibt dabei aber immer nah an dem Moment, in dem ein Floor wirklich aufmacht: Alltag off, Bewegung on, Verbindung im Augenblick. Geboren in Ostfriesland, musikalisch und mit ihrem Lebensmittelpunkt längst in Hamburg verankert, bringt sie die Perspektive der Club- und Festivalgängerin mit auf die Bühne und hinter das Pult. Genau deshalb geht es bei ihr um den gemeinsamen Puls auf Augenhöhe. Zusammen mit Dr. Motte hat sie mit „Imagine Love“ die diesjährige Hymne zur Parade produziert, getragen von ihrer Stimme und einer klaren Botschaft in ihren Lyrics. Darüber hinaus wird sie dieses Jahr sowohl auf dem RTP-Float als auch nachts auf der offiziellen Afterparty auflegen. Das alleine wäre schon ein Interview wert. Dann aber gibt es da noch ihre unzähligen Gigs im In- und Ausland, Releases auf namhaften Szenelabels, ihren Beitrag zur Rave The Planet Supporter Series #24 und ihren Anspruch an kollektive Momente, in denen sich die Crowd am Dancefloor komplett im Moment fallen lassen kann. Über all das, über Hamburg, künstlerische Entwicklung, Clubkultur, Sichtbarkeit, Community und darüber, warum Musik manchmal der schnellste Weg zurück ins Hier und Jetzt ist, haben wir mit ihr im neuen Artist-Interview gesprochen. Energie als Definition RTP: Hallo, liebe Tomma, schön, dass wir dich heute interviewen dürfen! Tommahawk: Moin, voll gerne, danke für die Einladung! RTP: Wie würdest du dich selbst beschreiben, als DJ, Produzentin und als Persönlichkeit in der elektronischen Musikszene, jenseits gängiger Zuschreibungen? Tommahawk: Als DJ und Produzentin definiere ich mich weniger über Genres als über Energie. Meine Musik lebt vom Flow, der treibenden Energie und ganz besonders den gemeinsamen Momenten auf dem Dancefloor. Mit meiner Arbeit möchte ich Räume schaffen, in denen Menschen für ein paar Stunden abschalten und sich ganz im Hier und Jetzt treiben lassen können. Als Künstlerin sehe ich mich dabei nicht als Mittelpunkt, sondern als Impulsgeberin: Die Crowd steht im Zentrum, ich gestalte den Rahmen für ihre Energie. Diese Haltung prägt mich auf und neben der Bühne. Photo: Diego Castro @itsnotanothershot RTP: Öffentliche Profile verorten deine Wurzeln in Hamburg. Bist du dort aufgewachsen oder bewusst dorthin gekommen? Wie sah dein persönlicher Hintergrund aus, bevor Musik zu deinem zentralen Ausdrucksmittel wurde? Tommahawk: Ich bin in Ostfriesland geboren und aufgewachsen, lebe aber bereits seit acht Jahren in Hamburg. Schon früher bin ich regelmäßig mit meinen Freunden nach Hamburg gefahren, um bestimmte Künstler*innen live zu erleben. Dadurch war Hamburg für mich schon immer ein Ort, an dem musikalisch viel möglich war. Als ich mich beruflich und persönlich weiterentwickeln wollte, bin ich für die Meisterschule nach Hamburg gezogen und geblieben. In diesen Jahren habe ich nicht nur meinen Weg in der Musik gefestigt, sondern auch eine starke Verbindung zur Stadt aufgebaut. Hamburg ist für mich heute Heimat und kreativer Anker zugleich. RTP: In frühen Interviews und Set-Beschreibungen taucht der Moment auf, in dem aus dem Auflegen für Freunde ein ernsthafter künstlerischer Anspruch wurde. Wie sah dieser Wendepunkt für dich aus? Tommahawk: Rückblickend kam dieser Wendepunkt ziemlich schnell. Musik war für mich nie nur ein Hobby, sondern schon immer eine feste Konstante in meinem Leben. Ich bin früher als Raverin viel gereist, um bestimmte Artists und Sounds live zu erleben, weil mich die Energie von elektronischer Musik schon immer tief berührt hat. Als ich anfing, aufzulegen wurde mir schnell klar, dass das eine Möglichkeit für mich ist, diese Energie weiterzugeben. Und als ich dann kurze Zeit später meinen ersten Clubgig spielte und gespürt habe, wie stark diese Musik einen Raum verändern kann, war für mich klar: Das möchte ich machen. Dieser Moment, selbst die musikalische Richtung vorzugeben, die Dynamik eines Floors zu gestalten und andere Menschen zusammen und zum Tanzen bringen zu können, das war mein persönlicher Klickpunkt. RTP: Und welche Clubs, Räume oder Szenen haben dich in deinen frühen Jahren als Gästin hierbei besonders geprägt, und warum gerade diese? Tommahawk: In Hamburg waren es vor allem der Waagenbau, der Südpol und das Uebel&Gefährlich. Das Uebel&Gefährlich kannte ich schon, bevor ich überhaupt nach Hamburg gezogen bin. Dort durfte ich schon viele internationale Headliner*innen erleben, die mich musikalisch inspiriert haben. Als ich dann in der Stadt lebte, wurden auch Südpol und Waagenbau wichtig für mich. Diese Orte haben mir nicht nur Zugang zu qualitativ hochwertiger Musik gegeben, sondern gezeigt, wie kraftvoll Clubkultur sein kann: als Raum für Freiheit, Begegnung und gemeinsames Erleben, jenseits von Alltag und Erwartungen. RTP: Du hast ja nun durchaus schon einige Meilensteine erreicht. Wenn wir mal rückblicken auf etwa Gigs bei Symbiotikka, Drumcode, auf Festivals wie SonneMondSterne oder Airbeat One sowie die Präsenz auf kuratierten Plattformen und Labels wie Terminal M oder Electric Ballroom, welches Ereignis würdest du selbst als entscheidend für deine Entwicklung benennen? Tommahawk beim SonneMondSterne Festival 2024, Foto: Pascal Mühlhausen Tommahawk: Jeder Gig und jeder Release hatte seine eigene Bedeutung, weil sich Entwicklung selten an einem einzigen Moment festmachen lässt. Sehr prägend war für mich jedoch früh meine Residency bei Symbiotikka im KitKatClub, einer meiner ersten Clubgigs überhaupt. Dieses Vertrauen in einer frühen Phase hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Ein weiterer wichtiger Schritt war mein erster Release, der von Thomas Schumacher nicht nur veröffentlicht, sondern auch geremixt und auf Vinyl gepresst wurde. Sein künstlerischer Input hat mich als Produzentin und auch als DJ stark geprägt. Auch Releases auf Plattformen wie Terminal M markieren für mich sehr besondere Meilensteine, nicht nur wegen der Sichtbarkeit, sondern weil sie zeigen, dass sich konsequente Arbeit langfristig auszahlt. Hätte mir all dies jemand in meiner Zeit als Raverin gesagt, ich hätte nur laut gelacht! Zuhause auf großen Bühnen und in intimen Clubs, Foto: Tom Dieleman Treibender, energiegeladener Sound „Musik war für mich nie nur ein Hobby, sondern schon immer eine feste Konstante in meinem Leben.“ Tommahawk RTP: Wer deine Sets über Mix-Plattformen und Releases verfolgt, kann eine klangliche Entwicklung nachvollziehen. Wie würdest du diese Veränderung beschreiben, und welche musikalischen oder kulturellen Einflüsse haben sie besonders geprägt? Tommahawk: Mein Sound war immer treibend und energiegeladen, aber er ist mit den Jahren klarer und fokussierter geworden. Viel gelernt habe ich durch den direkten Austausch, durch B2Bs, Gespräche, Beobachtung und ständiges Ausprobieren. Dieses organische Lernen hat mein musikalisches Selbstverständnis geschärft und mir geholfen, Energie bewusster zu steuern. Gleichzeitig entwickelt man mit jedem Gig ein tieferes Gefühl für Dramaturgie und Dynamik. Ich glaube, man lernt nie aus. Jeder Floor bringt neue Perspektiven und neue Aha-Momente. Diese kontinuierliche Weiterentwicklung prägt mich und meinen Sound bis heute. RTP: Lief das denn alles immer quasi nach Plan oder was waren die größten Herausforderungen auf deinem Weg, so strukturell, künstlerisch oder persönlich? Tommahawk: Eine der größten Herausforderungen war es, mit meinem eigenen Anspruch umzugehen. Ich bin sehr ehrgeizig und neige dazu, viel Verantwortung zu übernehmen, beruflich wie privat. Gerade in den ersten Jahren habe ich gelernt, wie wichtig es ist, die eigene Energie bewusst einzuteilen und nicht permanent über die eigenen Grenzen hinauszugehen. RTP: Oh ja, das kennen wir… Tommahawk: Meiner Meinung nach ist nachhaltige Entwicklung wichtiger als permanentes Tempo. Nein zu sagen, Pausen zuzulassen und Prioritäten klar zu setzen, sehe ich nicht mehr als Rückschritt, sondern als Teil professioneller Reife. Diese Balance hat mich sowohl künstlerisch als auch persönlich wachsen lassen. RTP: Du spielst ja sowohl in intimen Clubsettings als auch auf echt großen Festivalbühnen. Was reizt dich da mehr: die Nähe und Anonymität eines dunklen Floors oder die Energie und Sichtbarkeit bei Großevents? Und wie beeinflusst diese Entscheidung deine Set-Dramaturgie? Tommahawk: Ich liebe beides auf unterschiedliche Weise. Ein dunkler Clubfloor hat eine unmittelbare Nähe und Intensität, während ein Festival eine enorme kollektive Energie freisetzen kann. Auch große Bühnen können intime Momente erzeugen, wenn die Verbindung stimmt. Meine Set-Dramaturgie passt sich immer dem Raum und dem Kontext an. In kleineren Settings spiele ich oft subtiler und tiefer, auf Festivals klarer und direkter in der Energie. Entscheidend ist für mich am Ende aber nicht die Größe der Bühne, sondern wie ich die Menschen erreiche und die Dynamik des Moments gestalte. RTP: Okay, und was macht denn für dich einen idealen Rave-Moment aus? Tommahawk: Ein idealer Rave-Moment wäre für mich ein Sonnenaufgang nach einer langen durchtanzten Nacht, am liebsten draußen, wenn aus Dunkelheit langsam Licht wird. Diese Übergänge haben eine besondere Magie. Wenn in diesem Moment noch die ganze Crew beisammen ist, alle gemeinsam tanzen und man spürt, dass Musik Menschen wirklich verbindet, entsteht etwas, das für mich über den einzelnen Track hinausgeht. Genau diese kollektiven Augenblicke bleiben mir am stärksten im Gedächtnis. Von „Soul Flight“ zur Parade-Hymne RTP: Sprechen wir doch mal kurz über einen weiteren, nicht ganz unwichtigen Meilenstein, der in Kürze kommt. Mit Dr. Motte lieferst du ja in diesem Jahr die Parade-Hymne „Imagine Love“ mit deiner Stimme als tragendem Element. Am 10. Juli erscheint das Ganze. Kannst du kurz erzählen, wie es dazu kam und wie das abgelaufen ist? Tommahawk: Ursprünglich hat alles mit meinem Track „Soul Flight“ angefangen, den ich im April letzten Jahres im Rahmen der RTP Supporter Series rausgebracht habe. Dadurch durfte ich das ganze RTP-Team kennenlernen, letztes Jahr auf ihrem Float spielen und einen richtig schönen Tag mit ihnen auf der Parade verbringen. Im Winter kam dann die Anfrage, ob ich mir vorstellen könnte, an der diesjährigen Parade-Hymne mitzuwirken – ihr könnt euch vorstellen, wie riesig ich mich gefreut habe! Für mich war sofort klar: Das ist die perfekte Gelegenheit, all die alten Klassiker einfließen zu lassen, die mich schon seit meiner Jugend geprägt haben, musikalisch genauso wie im Spirit. Ich hab die Lyrics selbst geschrieben und mir ganz bewusst überlegt, was für mich eine Hymne für so eine Parade ausmacht: Liebe, Zusammenhalt, dieses Gefühl von gemeinsamem Aufgehen im Moment. Ich freu mich riesig auf den Release am 10. Juli und hoffe, der Track trägt auch für euch genau dieses Gefühl mit sich. Inspirierende Collab: Tommahawk (rechts) mit Dr. Motte, Foto: Pascal Mühlhausen RTP: Zuvor gab es ja auch schon eine RTP Supporter Series von dir, die #24…. Tommahawk: Ja, genau. Die Zusammenarbeit hat sich da schon sehr organisch ergeben, auch weil wir ähnliche Werte teilen: Respekt für die Kultur, für die Musik und für das gemeinsame Erleben auf dem Dancefloor. Mit meinem Supporter Series-Track „Soul Flight“ wollte ich all dies zusammenbringen, das gemeinsame Tanzen, das Fallenlassen, die dazugehörige Freiheit sowie das Treiben durch Raum und Zeit. Daher hätte ich mir für diesen Track kein besseres Zuhause vorstellen können als das Musiklabel von Rave The Planet. RTP: Was denkst du prinzipiell über die Supporter Series als laufende Reihe mit ganz unterschiedlichen Artists? Tommahawk: Die Supporter Series erinnert daran, worum es im Kern geht: Menschen durch Musik zusammenzubringen und Räume für gemeinsames Tanzen zu schaffen. Diese kulturelle Dimension ist für mich persönlich genauso wichtig wie der musikalische Aspekt. Was mich an der Reihe besonders begeistert, ist die Bandbreite: Jede EP bringt einen ganz eigenen Blick auf dieselbe Idee mit und genau dieses Nebeneinander unterschiedlichster Sounds und Handschriften macht für mich die Stärke des Projekts aus und ich konnte so schon echt viele tolle neue Tracks für meine Sets finden. Imagine Love Die offizielle 2026 Rave The Planet Parade Hymne Klicke hier zum Anhören und Vorbestellen Dr. Motte und Tommahawk auf dem RAW-Gelände in Berlin, Foto: Pascal Mühlhausen RTP: Räume schaffen in der und durch die Kultur ist ein guter Punkt: Welche Rolle sollten Initiativen wie Rave The Planet deiner Meinung nach für die Szene übernehmen, kulturell, sozial und politisch? Tommahawk: Initiativen wie Rave The Planet können eine wichtige Rolle dabei spielen, die Geschichte und kulturelle Bedeutung elektronischer Musik sichtbar zu halten. Rave ist mehr als reines Entertainment; es ist Teil urbaner Kultur, der über Jahrzehnte gewachsen ist. Gleichzeitig können solche Plattformen Werte stärken, die die Szene seit jeher begleiten: Freiheit, Vielfalt und Zusammenhalt. Nicht im Sinne eines politischen Programms, sondern als Bewusstsein dafür, was diese Kultur ursprünglich ausgemacht hat und bis heute verbindet. Was ich an meiner Zusammenarbeit mit Dr. Motte besonders schön finde: Hier kommen ganz unterschiedliche Generationen zusammen, wir tauschen uns aus und lernen voneinander. Das lässt sich auch wieder auf die Parade übertragen, denn auch hier kommen die Generationen zusammen, um gemeinsam zu tanzen, zu reden und voneinander zu lernen. Gerade dieser Zusammenhalt, der in unserer Gesellschaft sonst oft zu kurz kommt, ist für mich auf Raves etwas ganz Besonderes, das ich sehr zu schätzen weiß. RTP: Jetzt hat sich ja auch in unserem Bereich die Notwendigkeit von einer gewissen Präsenz ergeben, on- und auch offline. Wo ziehst du denn persönlich die Grenze zwischen künstlerischer Freiheit und ökonomischen oder algorithmischen Erwartungen? Tommahawk: Ökonomie ist Teil des Jobs, aber sie bestimmt nicht meine künstlerische Richtung. Ich denke langfristig und treffe kreative Entscheidungen aus Überzeugung und nicht aus kurzfristiger Optimierung oder aktuellen Trends. Für mich bedeutet Freiheit, bewusst zu gestalten. Kontext und Dramaturgie passe ich an, meine Haltung nicht. RTP: Das ist eine schöne und reflektierte Einstellung! Tommahawk: Vielen Dank! Authentizität und Nachhaltigkeit stehen für mich einfach über schnellen Zahlen. Momente von Freiheit und Verbundenheit RTP: Trends und Ökonomie sind oft miteinander verwoben und führt zuweilen dazu, dass häufig von einer Uniformität oder Konformität im Sound gesprochen wird. Siehst du hier eine Verantwortung von DJs und Kurator*innen, bewusst Vielfalt, Brüche oder neue Narrative in den Dancefloor zu tragen, wenn wir Musikerleben als Kulturauftrag betrachten? Tommahawk: Trends gab es in der Musikbranche schon immer. Ich glaube trotzdem nicht, dass Kunst aus einer Verpflichtung heraus entstehen sollte, denn kreative Vielfalt lässt sich schwer verordnen. Sie entsteht dort, wo Menschen den Mut haben, ihrer eigenen Handschrift zu folgen. Für mich liegt die Verantwortung weniger im „bewusst Anderssein“, sondern darin, authentisch zu bleiben und Räume für unterschiedliche Ausdrucksformen zu ermöglichen. Wenn Künstler*innen konsequent ihren eigenen Weg gehen, entsteht Vielfalt ganz von selbst. RTP: Da stimme ich zu. Verstehst du denn deine Arbeit als rein künstlerische Praxis oder auch als eine Form kultureller Vermittlung im Sinne eines Bildungs- oder Bewusstseinsauftrags gegenüber dem Publikum? Airbeat One 2025 Spanien, Foto: @kai.behrendt Tommahawk: In erster Linie verstehe ich meine Arbeit als künstlerische Praxis. Ich mache Musik, weil ich Räume für positive Energie und gemeinsame Erlebnisse schaffen möchte: auf dem Dancefloor genauso wie über Kopfhörer. Gleichzeitig hat Musik natürlich immer eine Wirkung, die darüber hinausgeht. Sie kann Menschen verbinden, Perspektiven öffnen und Stimmungen verändern. Wenn meine Arbeit dazu beiträgt, dass Menschen sich für einen Moment freier oder verbundener fühlen, ist das für mich bereits sehr viel. Kochender Raum beim Boiler Room Event in Luxemburg, Foto: Pascal Mülhausen RTP: Wenn du ein Set oder ein Line-up kuratierst, was wiegt für dich schwerer: Zugänglichkeit und kollektive Energie oder Risiko und inhaltliche Tiefe? Tommahawk: Für mich ist das kein Gegensatz. Energie und Zugänglichkeit bilden oft die Basis, aber Tiefe und Überraschung entstehen im richtigen Moment. Entscheidend ist der Kontext: Raum, Zeit und Publikum. RTP: Kommen wir noch einmal auf die Frage nach einer möglichen Erwartung an Sichtbarkeit zurück. In der Szene wird viel von „Community“ gesprochen und gleichzeitig gibt es eine Tendenz zur Heroisierung von Artists. Wie erlebst du eigentlich dieses Verhältnis zwischen gemeinschaftlichem Erleben und der Rolle der Bühne? Tommahawk: Community ist für mich der Kern der Szene. Die Bühne schafft Sichtbarkeit, aber sie sollte Verbindung ermöglichen, keine Distanz. Am Ende geht es um ein gemeinsames Erlebnis, nicht um Überhöhung einzelner Personen. RTP: Bedingt sich das nicht auf kausale Weise trotzdem irgendwie? Tommahawk: Natürlich bringt eine Bühne Aufmerksamkeit mit sich. Entscheidend ist jedoch, wie man damit umgeht. Authentisch zu bleiben, respektvoll zu begegnen und den Austausch zu suchen, hilft dabei, das Gleichgewicht zwischen Artist und Community lebendig zu halten. RTP: Wie würdest du sagen, positionierst du dich im Spannungsfeld zwischen selbstbestimmter, empowernder Sichtbarkeit und der Gefahr, dass Aufmerksamkeit stärker über visuelle Präsenz als über musikalische Inhalte entsteht? Tommahawk: Es stimmt, Sichtbarkeit ist heute Teil des Berufs, gerade in Zeiten von Social Media. Für mich wird sie dann empowernd, wenn sie selbstbestimmt ist. Visuals, Ästhetik und Präsenz gehören dazu, aber sie sind für mich Mittel, nicht Zweck. Denn am Ende steht immer die Musik. Energie, Dramaturgie und Sound sind das Fundament meiner Arbeit. Wenn das stimmt, trägt alles andere nur das, was ohnehin da ist. Wichtig ist für mich, dass die Balance gewahrt bleibt und ich meine Entscheidungen bewusst treffe, nicht aus Druck, sondern aus Überzeugung. Gigs in Europa, Südamerika, Asien und natürlich bei Rave The Planet RTP: Wenn man deine Aktivitäten in zum Beispiel besagten Socials verfolgt, dann deuten sich bei dir auch einige neue Projekte an. Magst du hier einen kleinen Sneak geben, woran du derzeit arbeitest und was Hörer*innen und Besucher*innen bald Neues von dir erwarten können? Tommahawk: Aktuell liegt mein Fokus klar auf neuen Releases und der Weiterentwicklung meines Sounds. Ich arbeite an mehreren Projekten, die meine Energie noch präziser und reduzierter transportieren, mit mehr Klarheit in der Dramaturgie und stärkerem Wiedererkennungswert. Parallel dazu möchte ich meine Arbeit starker zugänglich machen, unter anderem durch mehr veröffentlichte YouTube-Sets. Erst letzte Woche habe ich zum Beispiel mein Set vom Geheime Liefde Festival in den Niederlanden hochgeladen, schaut gerne mal rein, der Closing Track mag dem einen oder anderen vielleicht bekannt vorkommen. Genau solche Momente zu teilen, ist für mich Teil davon, die Marke organisch weiterzuentwickeln, ohne dabei musikalisch an Substanz zu verlieren. Am Ende bleibt aber das Auflegen selbst mein zentraler Bestandteil. Mehrere Gigs in Europa stehen auf dem Tourplan, und Richtung Herbst/Winter geht es wieder nach Südamerika und Indien. RTP: Viele unterschiedliche Szenen und Kulturen, nice! Wo findet man dich eigentlich am ehesten privat in Hamburger oder Berliner Gefilden? KitKat, Tresor, Fundbureau oder Goldener Pudel? Tommahawk: Ehrlich gesagt: Wenn ich mal einen freien Abend habe, dann gerne ganz entspannt auf meiner Couch. RTP: I feel you! *lacht* Tommahawk: Aber dennoch, wenn ich unterwegs bin, dann dort, wo Musik und Atmosphäre stimmen, zum Beispiel im Südpol, bei Festivals wie Fusion oder Nation of Gondwana oder auch mal in Clubs wie Sisyphos oder Berghain. Am Ende entscheide ich das aber weniger nach Namen als nach Gefühl, gute Musik und gute Menschen ziehen mich an. Tomma in Bewegung, Foto: Tom Dieleman RTP: Das ist schön! Abschließend würde ich gern noch erwähnen, dass man dich ja bei der Parade am 15. August auch auf unserem RTP-Wagen hören kann, worauf wir uns schon freuen. Und dann spielst du ja nachts auch noch auf unserer offiziellen Afterparty in der Columbiahalle, zusammen mit DJ Rush, Dr. Motte, Nakadia, Teenage Mutants und nun auch mir als Support Act. Tommahawk: Ich freu mich riesig, das wird für mich ein ganz besonderer Tag! Erst tagsüber auf dem Wagen mitten auf der Parade diese pure, kollektive Energie auf der Straße spüren, und dann abends in der Columbiahalle mit so einem Line-up gemeinsam den Tag ausklingen lassen. Für mich schließt sich da inhaltlich ein Kreis, von der Bewegung auf der Straße zurück auf den Dancefloor, wo eigentlich alles herkommt. Ich kann’s kaum erwarten und freue mich schon so sehr! RTP: Mega! Wir danken dir für das tolle Gespräch und freuen uns auf dich und natürlich “Imagine Love”! Rave The Planet – Offizielle Afterparty in der Columbiahalle Berlin Sichere dir hier dein Ticket! Schnelles über Tommahawk zum Schluss - Selbstbeschreibung: Unaufhaltsam
- Sound, den ich außerhalb von Techno mag: Metal
- All-time-Lieblingstrack: „ Domino“ von Oxia
- Kann ich richtig gut: Essen nachsalzen
- Kann ich überhaupt nicht: Warten und stillsitzen
- Mag ich: Katzen
- Mag ich nicht: Oberflächlichkeit und unnötigen Konkurrenzkampf
- Ich würde gern mal zusammenarbeiten mit: Anna Reusch und Mha Iri
- Wichtigstes Engagement außerhalb von Musik: Mentale Gesundheit und meine Freundschaften. Ich denke, das geht aber auch Hand in Hand. 🙂
- Was du der Welt mitteilen möchtest: Lasst los, tanzt mehr, hört einander zu Autor: Kay Barton, Rave The Planet Onlineredaktion
Stimmen zum Beitrag
Noch nicht bewertet
Login zum Kommentieren.
155BPM bei Google als Quelle festlegen
Google zeigt neben den Suchergebnissen eine Box mit Schlagzeilen. Wer 155BPM dort als Quelle festlegt, sieht unsere Beiträge häufiger.
155BPM als bevorzugte Quelle festlegenÖffnet die Google-Einstellungen. Jederzeit widerrufbar.
Noch keine Kommentare